4. April 2018 | 5 Fragen an ...

Eine mächtige Frau: Interview mit Autorin Carola Orszulik

Soeben ist Carola Orszuliks Buch Macht macht sexy: Entfessle deine Stärke mit dem Excalibur-Prinzip erschienen. Darin beschreibt sie, dass es keinen machtfreien Raum gibt und jeder einzelne Mensch die Fähigkeit hat, etwas zu bewirken. Innere Stärke lässt sich trainieren, um in der Außenwelt Macht zielgerichtet und verantwortungsvoll einzusetzen.

Frau Orszulik, Sie sind Unternehmerin, Rednerin, ehemalige Leistungssportlerin und beschäftigen sich intensiv mit dem Thema „Macht“. Sind Sie eine mächtige Frau?

Ja, auf jeden Fall. Ich unterscheide zwei Arten der Macht: Zum einen ist es super zu sehen, was man alles „einfach tun“ kann, obwohl andere sagen: „Das geht doch nicht!“ Das ist die Macht, die wirklich jeder Mensch hat.

Zwei kleine Beispiele für meine eigene Macht: Mit 15 Jahren bin ich im Verein geschwommen und wollte Wasserball spielen. Wasserball gab es aber nur für Jungs und Männer. Also habe ich das Frauenwasser-Team gegründet. Acht  Jahre später stiegen wir in die Deutsche Bundesliga auf. Und als mein Sohn ein gutes Jahr alt war, gab es praktisch kaum Kita-Angebote, wie ich sie mir vorstellte. Also habe ich einen Vorkindergarten gegründet.

Die Ausrede „Es geht nicht, weil …“ ist meiner Meinung nach in den meisten Fällen nur der Bequemlichkeit und Angst geschuldet. Die „Einfach-machen-Macht“ braucht nicht viel, außer Leidenschaft und eine Prise Mut. Kein Alter, keine Erfahrung, keine Fähigkeit, einzig die Entscheidung, zu tun, was notwendig ist. Das Herzblut für eine Sache versetzt die sprichwörtlichen Berge, sobald ich einfach nur den Hintern vom Sofa hochbekomme.

Die andere Macht ist der Einfluss auf andere. Diese Macht ist nichts, was ich einfach ausüben kann. Sie ist das Zusammenspiel meiner inneren Macht mit meiner äußeren Positionsmacht. Es ist anstrengend, Anweisungen zu geben, wer was wie zu tun hat, und dann noch zu schauen, dass keiner meine Vorgaben umgeht –  also meinen Willen gegen Widerstände durchzusetzen. Das ist übrigens die althergebrachte Definition von Unternehmensführung und heute zum Glück – zum Großteil – überholt. Denn nur wenn mein eigenes Ethos mit den Unternehmenswerten übereinstimmt, ich meine Eingebung und Empathie einfließen lasse, werde ich energievolle Entscheidungen treffen, die mein Umfeld inspirieren und wie im Sog begeistert mitziehen.

Auch hier ein kleines Beispiel: Letztes Jahr war ich drei Monate am Stück im Ausland und wurde als Geschäftsführerin gefragt: „Hast du denn keine Angst, dass die Mäuse zu Hause auf dem Tisch tanzen, wenn du weg bist?“ Meine Antwort: „Wenn sie auf dem Tisch tanzen und dabei Kunden und Unternehmen glücklich machen, ist doch alles gut!“ Ob meine Mitarbeiter auf dem Tisch getanzt haben, weiß ich, ehrlich gesagt, nicht, allerdings sprechen meine Kunden und auch die Unternehmenszahlen Klartext: Ich kann mich auf meine Mitarbeiter verlassen – auch in meiner Abwesenheit! Ich hatte immer den Traum, dass meine Kunden unabhängig von meiner Person vorwärtskommen und sich dabei wohlfühlen.

Macht ist das, was wir brauchen, um zu kriegen, was wir wollen. Wenn das, was ich will, etwas SINNvolles also Attraktives und ethisch Wertvolles für andere ist, kann ich inzwischen durchaus einen Sog erzeugen – und ich genieße die Wirkung des gemeinsamen Tuns enorm. Ja, ich denke, ich bin eine mächtige Frau.


Was bedeutet Macht und warum sollte überhaupt jemand Macht besitzen?

Macht kommt von „machen“ und ist die Fähigkeit, etwas zu bewirken. Macht lässt sich nicht besitzen. Es braucht einen, der sie zulässt, und einen, der sie ausübt. Macht existiert nur zusammen mit Freiheit. Wer die Macht übernimmt, trägt die Verantwortung – im Guten wie im Schlechten. Es ist ein Zusammenspiel, manchmal sogar in komplexen Systemen.

Nehmen wir als Beispiel eine Familie: Ein Baby übt durch schreien Macht aus und die Eltern richten sich nach dem Kind. Das ist gut so. Später legen die Eltern Regeln für das gemeinsame Familienleben fest, sie üben also Macht aus. Oft werden auch gemeinsame Regeln gefunden, wie etwa der Verzicht auf digitale Geräte während der Mahlzeiten. Verstößt nun der Papa gegen diese Regel, hat ein Kind die Macht, Sanktionen beim Papa durchzusetzen.

Das sind von außen festgelegte Machtpositionen, die sich sowohl natürlich ergeben als auch bewusst kreiert werden können. Letztlich ist das die Grundlage jeder Demokratie. Die Macht über sich selbst und seine eigenen Entscheidungen ist tiefergehend: Wir können zwar nie alles beeinflussen, was um uns herum oder in der Welt passiert. Allerdings liegt es immer in unserer Macht, zu entscheiden, wie wir mit einer von außen gegebenen Situation umgehen. Und genau hier lauert große Gefahr, wenn ich mich gegen diese Macht wehre. Dann fühle ich mich als Opfer, gebe anderen die Schuld für meine Situation und gebe ihnen damit Macht über mich. Egal, ob es die Trainer, Lehrer, Eltern oder Chefs sind, immer wenn wir sagen, „der ist Schuld, dass …“, begeben wir uns in die Opferrolle.

Es stimmt einfach nicht, dass wir „nichts dafür können“. Es geht immer nur um die Frage: Was ist uns eine Sache wert? Es gibt für alles Lösungen. Die Frage ist, möchte ich den Preis dafür bezahlen, ist sie mir so wichtig, dass sich der Einsatz für mich lohnt?

Und genau diese Macht darf sich jeder selbst zutrauen und tatsächlich nehmen. Wenn wir etwas WIRKLICH wollen, müssen wir uns auch die Macht nehmen, um es zu bekommen.


In Ihren Vorträgen und auf Ihrem Autorenfoto sind Sie mit einem Schwert zu sehen. Steht das Schwert für Ihre Durchsetzungskraft?

Das Schwert an sich steht für Befreiung, Kraft und Unverwundbarkeit – besonders das mythische Schwert Excalibur. Das Schwert ist ein Hilfsmittel, ein Werkzeug, das dem Träger enorme Dienste erweisen kann. Die Verantwortung hat allerdings ganz allein der Träger.

Und ja, das Schwert steht durchaus auch für die Durchsetzungskraft. In erster Linie ist mein Schwert für mich der Träger meiner „5 E“: der Eingebung, der Empathie, des Ethos, der Entscheidung und der Energie. Diese 5 Elemente habe ich vom Knauf bis zur Spitze auf meinem Schwert verteilt. Und das Zusammenspiel von allen 5 Bereichen verhilft mir tatsächlich zur ganzheitlichen Durchsetzungskraft. Wenn alle Teile im Gleichgewicht sind, wirkt sie nachhaltig.

Das Schwert ist auch die Verbindung von der äußeren zur inneren Macht. Das habe ich in der Schwertarbeit erfahren. Es geht nicht darum, den Gegner zu besiegen. Die Aufgabe ist, die eigene Persönlichkeit im Gegenüber wahrzunehmen. Ein riesiges Aha-Erlebnis für mich: im Umgang mit meiner Macht und den damit verbundenen Reaktionen meiner Mitmenschen spiegelt sich meine Persönlichkeit wider.

Auf der Bühne bei Vorträgen ist mein Schwert sowohl ein Hingucker als auch ein Symbol, das hängen bleibt und meine Zuhörer später hin und wieder an die Inhalte erinnert.

Und by the way: Wenn man so einen schwierigen Namen wie ich hat, ist man gern auch einfach „die mit dem Schwert“.


Ihr Buch heißt „Macht macht sexy“. Sind alle mächtigen Menschen automatisch sexy?

Ja und nein. Ja, weil ich die These vertrete, dass machtvolles Handeln einen inneren, auch hormonellen, Sexy-State verursacht – somit wird sich ein „Machthaber“ häufig sexy fühlen. Nein, weil das eigene Gefühl nicht zwingend das ist, was die anderen im Außen wahrnehmen. Ganz wichtig ist, ob die innere Haltung auch zur Position oder Rolle passt, die einer innehat. Wenn ein nach außen machtvoller Mensch auch innerlich Stärke aufgebaut hat, fühlt es sich für die Umwelt stimmig an. Wir nennen das dann Ausstrahlung, Authentizität oder Charisma – das fühlt sich auch für andere sexy an.

Es geht also darum, unsere innere und äußere Macht in Einklang zu bringen – und zwar so, dass die innere MINDESTENS so ausgeprägt ist wie die äußere. Es ist kein Problem, im Außen ein „kleines Licht“ mit großer innerer Macht zu sein – so ein Mensch behält immer seine Würde und ist sich treu, dadurch wirkt er sexy auf andere. Im umgekehrten Fall wirkt ein Mensch nicht sexy, sondern lächerlich. Wenn die Diskrepanz extrem ist, wird es sogar gefährlich.


Sie sagen, dass sich innere Macht trainieren lässt wie ein Muskel. Wie sieht Ihr Trainingsprogramm aus?

Gute Trainingspläne variieren und sind auf die jeweiligen Stärken und Schwächen des Trainierenden und im Optimalfall auch auf dessen Rolle im Team abgestimmt. Wie im Sport gehört ein Trainer dazu, der von außen beobachtet und reagieren und justieren kann. Es gibt auch Dinge, die ich eigenständig tun kann. Das mache ich beispielsweise beim Tagebuchschreiben zur Selbstreflexion oder auch durch das bewusste Verlassen meiner Komfortzone. Gerade übe ich mich sehr bewusst in Geduld – eine echte, naturgegebene Kernkompetenz von mir. 😉  Je nachdem, was ansteht, lege ich auch mal Sondertrainingseinheiten wie Improvisationstheater-Sessions ein.

Es gibt aber auch die sogenannten „nächsten Levels“, wo ich es nie alleine hin schaffen werde und wofür ich mir einen Trainer bzw. Coach nehme. Hier bin ich auf die Trainingslager der Profis angewiesen, um zum Beispiel zu lernen, Wut oder Verletzlichkeit positiv einzusetzen.

Training ist hart und tut unter Umständen weh – Muskelkater gehört eben auch dazu. Wie jemand trainiert oder was ihn motiviert, dranzubleiben, ist sehr unterschiedlich: Ich selbst brauche keine Belohnung oder Strafe, kein schönes Umfeld oder Hightech, mir hilft ganz einfach ein attraktives Ziel.


Macht macht sexy Macht macht sexy
Entfessle deine Stärke mit dem Excalibur-Prinzip
ISBN 978-3-96186-008-1

 Hier gehts zum Buch und zur Leseprobe