30. Mai 2018 | Trends und Themen

Macht und Sport: „Wir alle brauchen Vorbilder und Durchboxer!“

Carola Orszulik ist Unternehmerin, Autorin und ehemalige Leistungssportlerin. In ihrem Buch  Macht macht sexy: Entfessle deine Stärke mit dem Excalibur-Prinzip beschäftigt sie sich intensiv mit dem Thema „Macht“ in allen Lebensbereichen. Auch im und um den Sport herum spielt Macht eine bedeutende Rolle. Dazu hat Carola Orszulik in ihrem Buch unter anderem die Boxweltmeisterin Alesia Graf „The Tigress“ und ihren Trainer Heinz Schulz interviewt.

Was hat für euch Boxen oder Sport mit Macht zu tun?

Alesia & Heinz: Im Sport geht es darum, seinen Kontrahenten zu besiegen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss ich ihm gegenüber „übermächtig“ sein, ich muss mich seiner „bemächtigen“. Besonders im Kampfsport und dem klassischen Boxen bringe ich mich ganz bewusst in die mächtigere Position und kämpfe beispielsweise aus der Ringmitte. So halte ich meinen Gegner in Schach und kann im richtigen Moment die Aktionen starten, die mir die entsprechenden Punkte oder sogar den K.-o.-Schlag ermöglichen.

Ein Boxkampf ist immer auch ein Machtspiel. Eigentlich beginnt dieses bei Profikämpfen mit medialer Präsenz schon vor dem Kampf, wenn sich die Gegner einerseits für die Unterhaltung der Zuschauer und andererseits für die eigene mentale Einstellung gegenseitig verbal duellieren. Dies setzt sich im Kampf mit Blicken, Gesten und Aktionen fort.


Wie seht ihr das Verhältnis zwischen innerer und äußerer Macht im Bereich Sport?

Alesia & Heinz: Es ist notwendig, sich die physischen Voraussetzungen anzueignen, um überhaupt äußere Macht zu bekommen und ausüben zu können. Um absolut sicher zu sein und sowohl längere Zeit als auch wirklich innig diese Macht zu behalten, brauchen wir die innere Macht. Nur so können die erworbenen physischen Fähigkeiten erfolgreich, dauerhaft und nachhaltig angewendet werden. Im Boxsport ist das eine ohne das andere nicht möglich. Die innere Macht entscheidet über Sieg und Niederlage – und auch über das Wiederaufstehen nach einer Niederlage.


Welchen Bezug zur Macht habt ihr?

Heinz: Ich bin offiziell im Rentenalter – unvorstellbar, dass sich meine Macht über mich selbst jemals ändert. Ich bin absolut bestrebt, mir selbst treu zu sein, damit ich die Macht über mich immer behalte und nicht an andere abgebe.

Alesia: Extreme Ausübung von Macht findet bei mir ausschließlich im Boxring statt. Damit setze ich meine Macht durchaus zum Nachteil meiner Gegnerinnen ein, um mein Ziel – den Sieg – zu erreichen. Boxen ist ein sehr fairer Sport, in dem die Regeln transparent sind und gleichberechtigt gelten. Ansonsten bin ich der Ansicht, dass ich meine Fähigkeiten und somit die Möglichkeit, Macht ausüben zu können, unbedingt und ausschließlich im positiven Sinne nutzen will und dies auch von anderen so einfordere.


Was haltet ihr für den wichtigsten Faktor der inneren Macht beim Boxen?

Alesia: Der wichtigste Faktor meiner psychischen Stärke ist die größtmögliche Sicherheit meiner physischen Stärke und Fähigkeiten. Dies geht einher mit einer realistischen Selbsteinschätzung und meinem gefestigten Selbstbewusstsein.

Heinz: Um glaubwürdig „innere Macht“ ausüben oder ausstrahlen zu können, sollte man sich weder über- noch unterschätzen, also ist die Selbsteinschätzung ein Schlüsselfaktor. Dies gilt im Übrigen nicht nur im Sport.


Denkt ihr, dass die innere Macht Einfluss auf die äußere Macht und/oder umgekehrt hat?

Heinz: Ich denke, das geht in beide Richtungen. Speziell im Boxsport ist ja immer auch außerhalb des Rings viel Taktik und auch Marketing gefragt. Wer bekommt einen WM-Kampf? Welche Aufbau-Gegner werden verpflichtet? Wie hoch pokere ich um die Gagen? Das schaukelt sich hoch: Je nachdem, welche Standfestigkeit ich habe, komme ich im Außen entsprechend weiter. Umgekehrt kann mich auch eine entsprechende Machtposition, wie ein Weltmeistertitel, innerlich weiter stärken. Also geht es immer in beide Richtungen.

Alesia: Ich bin sehr froh, dass ich mich auf meinen Sport konzentrieren kann und im Stellungsspiel außen herum nicht so involviert bin. Trotzdem merke ich, dass der Sport alleine nicht reicht. Ich muss auch meine ganzheitlichen Machtquellen anzapfen und mich um Beziehungen, Netzwerke und meine Außendarstellung kümmern. Dies fällt mir leicht, wenn ich gut trainiert bin und meine Einstellung „heiß auf den nächsten Kampf“ ist. Ich merke nur, dass der Weg von außen nach innen eher kurz wirkt – wie beispielsweise der Hype nach einem Titelgewinn. Der Bezug von innen nach außen ist viel nachhaltiger, der verpufft nicht so, weil ich unabhängiger von der Umwelt bin.


Was ist euer Motto oder Tipp in Bezug auf Macht?

Heinz: In meiner Welt des Sports soll das Ausüben von Macht mit Beendigung des Wettkampfes zu Ende sein – wenn alle Athleten, Trainer und Funktionäre dies beherzigen, wird Sport wieder das, was er auch im olympischen Sinne sein soll: ein herausfordernder Wettkampf, der miteinander erlebt wird und aus Fairness besteht!

Alesia: Ich wünsche mir, dass erfolgreiche Sportler, die ja definitiv machtbefähigte Menschen sind, sich solidarisieren und ihre Fähigkeiten zum Frieden und Wohle aller nutzen. Wir alle brauchen Vorbilder und Durchboxer!


Cover Titel Macht macht sexy Macht macht sexy
Entfessle deine Stärke mit dem Excalibur-Prinzip
ISBN 978-3-96186-008-1

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