28. November 2018 | Trends und Themen

Oh du fröhliche Weihnachtszeit

Dass trotz aller Planung nicht immer alles perfekt läuft am Weihnachtsabend, ist bekannt und dass auch so manches Weihnachtsgeschenk nicht unbedingt den Nerv des Beschenkten trifft, zeigen die Anekdoten in unserem Adventskalender.

Auch unsere metropolitan-Autoren haben uns ihre schönsten, aber auch skurillsten Erlebnisse rund um die Weihnachtszeit verraten.


 Ulrike Stahl beweist es sogar beim Plätzchenbacken: Kokreativität und Kooperation sind alles!

Lebkuchen à la Mexiko

Lebkuchen aus Hostien

Es ist Weihnachten 2000 und ich lebe da gerade in Mexiko. Natürlich will ich etwas fränkisches Weihnachtsflair verbreiten. Voller Vorfreude verkünde ich: „Ich werden Lebkuchen backen.“ Nach und nach trage ich die Zutaten zusammen. Sogar für das Marzipan finde ich eine Lösung. Allein die Oblaten sind nicht aufzutreiben. Ohne Oblaten keine Lebkuchen. Ich gebe mich schon geschlagen. Bis Señora Miranda von meinem Problem hört. „Natürlich gibt es Oblaten.“ sagt sie. „Wir sind ein katholisches Land.“ Verständnislos sehe ich sie an – bis sie mir die Adresse der Nonnen verrät, die die Hostien für die Kirche produzieren. So bekommen meine Lebkuchen nicht nur eine stabile Basis, sondern dazu noch ein wunderschönes Dekor.


Die Definition vom perfekten Weihnachtsbaum liegt im Auge des Betrachters – das weiß auch  Astrid Hochbahn

Tierische Freuden

Unser Hund wurde im Juni geboren. Man bekommt in der Hundeschule beigebracht, dass es wichtig ist, Welpen möglichst Vieles in den ersten Lebensmonaten zu zeigen, da das ihre Prägungsphase ist. In dieser Zeit sind sie unerschrocken bereit, Neues zu lernen, danach werden sie ängstlicher. Aber leider war Weihnachten auch in diesem Jahr nicht im August, als sie zu uns kam.

Hund unterm Weihnachtsbaum mit SchneemannDer Schrecken war groß, als eines Tages plötzlich vor dem Nachbarhaus ein großer, bunt leuchtender Weihnachtsmann auf dem Rasen stand. Dieses Monster wurde natürlich wild angeknurrt und konnte nur passiert werden, indem man mit Engelszungen auf unseren Hund einredete.  Noch größer war dann die Verblüffung, als auf einmal ein großer Baum mitten im Wohnzimmer stand, schließlich steht sowas für gewöhnlich draußen und man hebt als Hund daran das Beinchen … Sie hat wild geschnüffelt und wir fürchteten schon das Schlimmste. Doch stattdessen hat sich entschieden, aus dem Weihnachtsbaum einen ihrer Lieblingsplätze zu machen, sprich darunter zu liegen. Welche Auswirkungen diese Entscheidung auf die Dekoration und das Nadelkleid des Baums haben, muss wohl nicht erwähnt werden. Nur so viel: Unser Weihnachtsbaum ist unten herum eher kahl gehalten …


Doch auch Katzen haben einen Sinn für Dekoration, wie die Geschichte von  Carola Orszulik zeigt.

Das tollpatschige Christkind

Katze sitzt im Weihnachtsbaum KugelnAls unsere Kinder noch klein waren, hat das „Christkind“ den Baum geschmückt, während wir in die Kirche zum Kindergrippenspiel gegangen sind. Als wir heimkamen – der Baum war währenddessen theoretisch allein in einem Zimmer mit dem Christkind – lag bestimmt die Hälfte der Glaskugeln am Boden, natürlich zersprungen. Ob es nun am tollpatschigen Christkind oder doch unserem Kater „Bube“ war, der damals wohl auch mit im Weihnachtszimmer war und „geholfen“ hat, bleibt ein Geheimnis.


Die Folgen missverstandener Kommunikation hat Rhetorik-Expertin  Gudrun Fey erfahren …

Alle Jahre wieder

Eierlikör und Plätzchen in der Dose Ich habe meiner Schwiegermutter einmal verraten, dass ich gerne Eierlikör trinke. Daraufhin bekam ich zu allen möglichen Anlässen und natürlich auch zu Weihnachten immer eine Flasche Eierlikör geschenkt. Doch so viel Eierlikör trinke ich nun wirklich nicht und über die Zeit sammelten sich allmählich einige Flaschen an. Ein befreundeter Trainerkollege gestand mir, dass er von seiner Schwiegermutter regelmäßig „Russisch Brot“ geschenkt bekam. Auch er hatte schon einige Beutel auf Lager. Daraus machten wir einen Deal: Eierlikör gegen „Russisch Brot“. Preislich gesehen war das ein schlechter Deal, doch da ich gern „Russisch Brot“ esse, war es für mich ein gutes Tauschgeschäft.


Die Vorstellungen von geschmackvoller Dekoration gehen hierzulande schon weit auseinander – in Fernost gleich noch viel mehr, wie  Monika Kraus-Wildegger es erlebt hat.

Fröhliche Weihnachten auf Vietnamesisch

Bunte Weihnachtsdeko

Als ich in Vietnam lebte, habe ich von meinen Lieblings-Gemüsehändler als kleines Weihnachtsgeschenk einen fürchterlich kitschigen Wackeldackel-Santa Claus bekommen. Erst musste ich etwas schlucken, wir hatten eindeutig andere Vorstellungen vom Christenfest. Doch letztlich bekam der skurille Weihnachtsmann  einen Ehrenplatz auf unserem Gabentisch. Fernab der Heimat bei Bratapfel-Duft und Stille Nacht-Klängen hat er fröhlich im Takt gewackelt.


In einem Ranking der schrecklichsten Geschenke landet  Sandra Gehde sicherlich auf den vorderen Plätzen, denn ihr Geschenk ist wirklich gruselig …

Der Moormann

Es war ein schönes und entspanntes Fest, mit leckerem Essen, guten Gesprächen und einer besinnlichen Stimmung – bis zur Bescherung. Reihum wurden Geschenke ausgepackt und ich freute mich, als ich an der Reihe war. Neugierig zog ich das Papier herunter.

Der Moormann und ich glotzen einander mit schreckgeweiteten Augen und aufgerissenen Mündern an. Sein hölzerner Körper wölbte sich in meiner Hand und seine aufgemalten Augen erinnerten an das Gemälde von Edvard Munch „Der Schrei“. Den ich dann auch nur mit Mühe unterdrücken konnte. „Und?“ hörte ich die fröhliche Stimme meiner Mutter aus dem Hintergrund zu mir durchdringen. „Ein Räuchermännchen, weißt du? Da kommen Räucherkegel rein!“

RäuchermännchenRäu-cher-ke-gel? Als wenn dieses grob geschnitzte Räuchermännchen mit dem grauenvoll verzerrten Gesicht nicht schon schlimm genug gewesen wäre, rutschte in dieser Sekunde aus dem festlichen Geschenkpapier die nächste Grausamkeit: Eine Familienpackung Räucherkegel mit – Moschusduft!

Nachdem ich wieder Farbe im Gesicht und kein Vakuum mehr im Kopf hatte, fand der arme Moormann – wie ich ihn spontan getauft hatte – schnell ein neues Zuhause bei meiner Mutter. Zum Glück sind Geschmäcker verschieden. Allerdings fällt mir gerade auf, auch dort habe ich ihn nie wieder gesehen …!


Der Autor unserer letzten Anekdote möchte lieber anonym bleiben – wir vermuten um des lieben Familienfriedens willen. Wir können es ihm nicht verdenken, angesichts seines letzten Weihnachtsgeschenks …

Warum ich zum Weihnachtsfest einer bestimmten Person nichts mehr schenke

Ich gehörte zu den Menschen, die sich jedes Jahr auf Neue den Kopf zerbrechen, um herauszufinden, mit welchen Aufmerksamkeiten eine nahestehende Person zum Weihnachtsfest beglückt werden könnte. Da zündende Ideen ausblieben und ich mich nicht der Gefahr aussetzen wollte, das Falsche zu schenken, erstand ich regelmäßig ein hübsches Schmuckstück. Der Vorsatz, nur eine Kleinigkeit unter den Tannenbaum zu legen, wurde schnell aufgegeben, wenn mir ein besonders hübsches Stück ins Auge fiel. Dass hierbei das vorgesehene Budget erheblich überschritten wurde, bedarf kaum einer Erwähnung. Ich hielt mir vor, zu Weihnachten nicht unbedingt sparsam sein zu müssen. Schließlich war ich bei den angefutterten Pfunden während der Feiertage auch nicht zurückhaltend.

Im Gegenzug erhielt ich zumeist Geschenke, über die ich mich freuen konnte, die aber – gelinde gesagt – einen  sparsamen Umgang mit den  finanziellen Möglichkeiten der schenkenden Person offenbarten. Wer freut sich nicht über eine neue Krawatte, einige neue Socken oder Taschentücher (nicht alles an einem Fest, sondern auf verschiedene Jahre verteilt)?

Was die Geschenke an mich betrafen: Der von Einzelhändlern erhoffte Konsumrausch blieb  aus, und ich fügte mich mit guter Miene meinem Schicksal. Sicherlich hätte sich bis heute nichts daran geändert, wäre ich nicht durch eine epochale Begebenheit aufgeschreckt worden. Nachdem bei der letzten Bescherung das Funkeln eines Schmuckstücks sowie das freudige Funkeln in den Augen der Beschenkten für Glanz in der Hütte gesorgt hatten, erhielt ich mein Geschenk. Sogleich erkannte ich, dass mich diesmal etwas Besonderes erwartete. Ich hielt ein Geschenk mit den Außenmaßen 12 x 4 x 1 cm in Händen, liebevoll in Weihnachtspapier gewickelt und mit einer dekorativen roten Schleife versehen. Begleitet wurde die Geschenkübergabe mit dem Hinweis, dass diesmal etwas Besonderes auf mich warten würde. Neugierig öffnete ich das kleine Geschenk – und war in diesem Moment erfüllt von überdimensionierter Glückseligkeit, mir blieben Spucke und Worte weg. Zum Vorschein kam eine aus transparentem  Plastik hergestellte Schachtel, die dazu dienen soll, die pünktliche Einnahme der täglichen Medikamente sicherzustellen. Dieses unschuldige Schächtelchen war zur Wertsteigerung mit dem Schriftzug eines bekannten Pharmaunternehmens geschmückt. Da ich zu diese Zeit unsterblich gesund war und keine Pillen einnahm, hatte ich ein in die Zukunft weisendes, äußerst fürsorgliches Geschenk erhalten.

Meine Reaktion: Weil der ideelle Wert des Geschenkes wohl nicht mehr zu steigern war, habe ich zum künftigen Vermeiden von Unkosten jedweder Art auf Weihnachtsgeschenke verzichtet und darauf hingewiesen, dass auch ich mich zurückhalten würde. Seither ist Ruhe bei mir eingekehrt und ich gehöre zu den rundum glücklichen Menschen, die nicht mit dem Strom schwimmen:  Keine geistigen Unkosten bei der Jagd nach Geschenken, keine kaum mehr zu vertretenden Geldausgaben.  Einen Nachteil trage ich seither mit Würde: Ich kaufe mir meine Socken selber!