29. September 2017 | Jobsuche

Bewerbungsunterlagen: Basisprinzipien für den Erfolg – der Lebenslauf

Auch wenn der Lebenslauf auf Grund der sozialen Medien immer mehr in Bedrängnis kommt, handelt es sich noch immer um das wichtigste Bewerbungsdokument. Bewerber sollen sich bewusst sein, dass sie heute zu 70 Prozent gegoogelt werden. Das bedeutet, dass auffindbare Informationen mit den Angaben im Lebenslauf übereinstimmen sollten.

Da wir uns im digitalen Zeitalter befinden, ist es für Bewerber – zumindest bei E-Mail Bewerbungen – zunehmend einfach, Angaben zu standardisieren und zu multiplizieren. Dieses geht – leider – sehr häufig zu Lasten der Qualität. So bemängeln Personaler mittlerweile, dass lediglich 10 Prozent der Bewerbungen verwertbar sind. Gehören Sie zum kleinen Prozentsatz, deren Unterlagen auf Grund der Professionalität berücksichtigt wird!

Beim Erstellen des Lebenslaufs sind folgende Aspekte unbedingt zu beachten.

Chronologie oder umgekehrt chronologisch?

Der Lebenslauf, der bei der letzten beruflichen Station anfängt, hat sich durchgesetzt. Dennoch kann es Gründe für einen chronologischen Lebenslauf geben. Wer eine tolle Ausbildung genossen und bei einem renommierten Arbeitgeber angefangen hat, möchte vielleicht darauf den Fokus richten. Vor allem wenn die derzeitige Situation weniger überzeugend aussieht (Arbeit suchend oder möglicherweise ein kurzer Abschnitt beim derzeitigen Arbeitgeber).

In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wie eine derzeitige Arbeitslosigkeit dokumentiert werden soll? Wenn das Ausscheiden beim letzten Arbeitgeber erst wenige Monate zurückliegt, muss darauf nicht ausdrücklich hingewiesen werden. Dann endet der Lebenslauf einfach mit dem Ausstieg aus dem letzten Arbeitsverhältnis. Auch muss nicht kundgetan werden, wenn die Beendung des Arbeitsverhältnisses bereits unterschrieben ist, sich aber in der Zukunft befindet.

Wer allerdings seit einem längeren Zeitraum Arbeit sucht, soll sich Gedanken machen, wie die Lücke am besten sinnvoll verwertet wird. Antworten sind individuell und sollten möglichst authentisch sein. Es bietet sich an, die Zeit mit einer Weiterbildung hilfreich zu gestalten. Andere nehmen eine selbständige Tätigkeit auf, durchaus auch beim Direktvertrieb oder – bei überschaubarer Investition –  in einem Franchise-Unternehmen.

Lückenlos? Im Prinzip ja! Dabei würde ich aber nicht die zwei Monate Arbeitslosigkeit vor 11 Jahren explizit erwähnen!

Details zu den Angaben

Unternehmen und Personalberater sehen gern zu den Jahren auch die Monate des Beschäftigungsverhältnisses. Es kommt der Verdacht auf, dass jemand der

2010 – 2012 Unternehmen ABC

2013 – 2015 Unternehmen XYZ

aufführt, vielleicht von Februar 2012 bis November 2013 arbeitslos war.

Auch sagt die aufführte Funktion wenig aus. Wer „Einkaufsleiter“ angibt, lässt Fragen offen, ob es sich um den strategischen Einkauf, den operativen Einkauf, Vertragsverhandlungen, Disposition oder um Global Sourcing gehandelt hat. Diese Aspekte sollten gern in fünf bis acht Unterpunkte erwähnt werden. Die gewählte Ausführlichkeit hängt von der Gesamtanzahl der beruflichen Stationen ab. Insgesamt sollte der Lebenslauf idealerweise zwei, maximal jedoch vier Seiten betragen (ggf. zzgl. Deckblatt).

Kennzahlen: Wenn wir schon beim Einkaufsleiter bleiben, ist es noch von Bedeutung einige Kennzahlen zu erfahren. Lag das Einkaufvolumen bei 600.000 Euro pro Jahr? Bei 6 Mio. Euro, oder vielleicht bei 60 oder 600 Mio. Euro? Hat er Mitarbeiter geführt? Wenn ja, wie viele?

Angaben zu Unternehmen: Wer für die Peter Schwarz, Maschinenbau KG gearbeitet hat, sollte aufführen, was dieses Unternehmen hergestellt hat, wie hoch der Umsatz war und wie viele Mitarbeiter beschäftigt wurden. Dazu vielleicht noch die Erwähnung einer Internet-Adresse.

Erfolge und Leistungen

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer aufführt, dass er 10 Jahre als Vertriebsinnendienstmitarbeiter beschäftigt war, sagt wenig aus, wie die Aufgaben erfüllt wurden. Im Extremfall hat diese Person zehn Jahre versagt, war aber unkündbar, da sie dem Betriebsrat angehörte.

Somit ist – neben der Erwähnung der Hauptaufgaben – die Auflistung der Erfolge unterhalb der einzelnen Positionen von großer Bedeutung. Im Vertrieb wird über die Steigerung der Umsätze gesprochen, Im Einkauf über die Einsparungen. Hier ist auch Platz für innovative Ideen, Vorschläge, die umgesetzt, und Prämien, die dafür gezahlt wurden. Der Personalleiter spricht über die Erhöhung der Mitarbeiterzufriedenheit. Auch qualitative Aussagen sind – neben messbaren Leistungen – legitim. So spricht der Projektmanager über eine gewinnende Kommunikation, professionelle Projektmitarbeiterführung und Durchsetzungsfähigkeit als Ursachen, weshalb die Projekte im geplanten Zeit- und Kostenrahmen abgewickelt wurden. Der Supply Chain Manager dokumentiert die Einführung eines Kennzahlensystems.

Zuletzt…

Soll der Lebenslauf mit der Erwähnung von aktuellen und relevanten Weiterbildungen abgeschlossen werden. Eine weitere Kategorie stellen die besonderen IT-, Sprach- und sonstigen Kenntnisse dar. Der letzte Eintrag soll die Freizeitbeschäftigung sein (Hobbys, Ehrenamt, usw.). Hat diese noch Bedeutung? Jawohl! Kandidaten werden zu 50 Prozent auf Grund der wahrgenommenen Fachkompetenz eingeladen. Die weiteren 50 Prozent hängen von der Persönlichkeit ab. Wenn die Hobbies zur Persönlichkeit und dem Profil der ausgeschriebenen Stelle passen, sammelt der Bewerber auch hier Punkte. Wer eine Position als Sanierer antritt, kann ruhige erwähnen, dass alpines Bergteigen, Tiefsee tauchen und Drachen fliegen zur Freizeitgestaltung gehören. Hier erscheint das Bild des „harten Hundes“, einer Person die überschaubare Risiken eingeht, Verantwortung übernimmt und Abenteuer zu einem guten Ende führt. Parallelen zur Unternehmenssituation werden in diesem Zusammenhang gern gesehen.

Beispiel eines Lebenslaufs

00/0000 – 00/0000 Leiter Service Armaturen

Muster GmbH, Stadt

Muster entwickelt, produziert u. vertreibt Pumpenaggregate, sowie Netzersatzanlagen einschl. Wartung u. Service. Der Einsatzschwerpunkt liegt in der Löschwasserversorgung, in Kühlwasserkreisläufen u. der Notstromversorgung.

000 Mitarbeiter. 000 Mio.€ Umsatz.

www.muster.com

Aufgaben

  • Gesamtverantwortliche Führung des Geschäftsbereichs
  • Sicherstellung von profitablem Umsatzwachstum
  • Neuorganisation des Geschäftsbereiches
  • 75 Mitarbeiter, bei Großprojekten bis zu 150 Mitarbeiter
  • 25 Mio.€ Umsatz

Erfolge

  • Armaturenservice ausgebaut zum ergebnisstärksten Bereich der Muster Service GmbH
  • Großaufträge von bis zu 1,5 Mio.€ akquiriert
  • Umsatzsteigerung in Höhe von 20% p.a.
  • Marktführerschaft im Bereich Kraftwerke erlangt durch Ausbau des Leistungsspektrums von der Servicedurchführung zum vollständigen Servicemanagement für den Kunden
  • Personalauslastung um 30% gesteigert durch Abschluss von Rahmenverträgen mit mehrjähriger Laufzeit
  • Internationalisierung des Geschäfts durch Zukauf von weiteren Serviceunternehmen

00/0000 – 00/0000 Traineeprogramm Vertrieb

Muster AG, div. Standorte in Deutschland

Ausbildung im Produktprogramm „Pumpen“ in Anwendung u. Auslegung, Vertrieb u. Marketing, Angebotserstellung u. Auftragsabwicklung

Hochschulausbildung

00/0000 – 00/0000 Studium des allgemeinen Maschinenbaus

Fachhochschule Stadt

Abschluss: Diplom-Ingenieur (FH)

Zusatzabschlüsse: Unternehmens- u. Personalführung, Marketing

Bundeswehrdienst

00/0000 – 00/0000 Bundeswehr, Sportfördergruppe Stadt

Berufsausbildung

00/0000 – 00/0000 Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, Muster GmbH Stadt

Schulausbildung

00/0000 – 00/0000 Kinder- u. Jugendsportschule Stadt

00/0000 – 00/0000 Polytechnische Oberschule Stadt

Weitere Informationen

Weiterbildung systematische Weiterbildung in Fach- u. Führungsseminaren, u. a.:

  • Value Based Leadership, www.xxxxxx.de
  • Mut zur Entscheidung, www.xxxxxx.de
  • EDV-Kenntnisse MS-Office
  • SAP/Navision/Sage
  • Sprachen: Englisch (fließend in Wort u. Schrift), Russisch (Grundkenntnisse)
  • Hobbys: Segeln, Marathonläufe, Filme u. Bücher
  • Sonstiges: Leistungssport Rudern, Mitglied der Nationalmannschaft von 0000 – 0000

Über den Autor

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven, Experte in Sachen Bewerbung, gibt Einsteigern, erfahrenen Arbeitnehmern und Quereinsteigern Tipps zum richtigen Verhalten im Bewerbungsgespräch, zum verdeckten Arbeitsmarkt und vielen weiteren spannenden Fragen rund um Bewerbung und Karriere. Als SZ-Jobcoach schreibt er regelmäßig für die Süddeutsche Zeitung.

Jeden Monat zeigt er innovative und teils kuriose Ansichten und Herangehensweisen an Probleme, die garantiert jeder Bewerber in seinem Leben einmal erlebt hat – vom Bewerbungsprozess bis hin zum heiß ersehnten Gespräch, vom Berufseinstieg bis zum beruflichen Neuanfang.

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven blickt auf eine internationale Karriere als Geschäftsführer mehrerer mittelständischer Unternehmen und Konzerne (u.a. Yves Rocher und Gillette) zurück. Der Karriere-Coach hält als Gastdozent am MCI Management Center Innsbruck Vorträge zum Thema Job-Hunting, verfasst Beiträge für das Magazin FOCUS und ist Kolumnist bei der Süddeutschen Zeitung.