14. November 2017 | Jobsuche

Was sollten Sie bei der Erstellung eines XING-Profils beachten?

Finden und gefunden werden

Für eine Generation, die mit dem Internet aufwuchs, ist die Auffindbarkeit in den sozialen Netzwerken wie z. B. Xing eine Selbstverständlichkeit. Das trifft auf die Generation der Babyboomer nicht unbedingt zu. Viele können die Konsequenzen nicht einschätzen, wenn sie „sichtbar“ sind. Andere wissen nicht, was sie von sich preisgeben sollen. Fakten können noch leicht angegeben werden, wenn es dann aber persönlicher wird, überlassen die reiferen Jahrgänge die Bewertung der eigenen Person lieber anderen.

Tatsache ist, dass ein Profil bei einem Business-Netzwerk heute quasi die Visitenkarte ersetzt oder zumindest eine Erweiterung darstellt. Wer meint, Erfolge in bestimmten Bereichen vorweisen zu können, aber im Internet unsichtbar ist, weckt zunehmend Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Aussagen. Im deutschen Sprachraum ist XING das führende Business-Netzwerk. Also höchste Zeit, sich näher mit dem Profil zu befassen.

Wer bei XING ist, sucht nicht zwangsläufig einen Job

Der Kosten wegen muss keiner darauf verzichten. Die fallen nämlich nicht an – für ein Basic-Profil. Wer XING allerdings – auch – nutzen möchte, um sich auf dem Arbeitsmarkt umzuschauen, ist mit einer Premium-Mitgliedschaft gut beraten. Diese kostet um die sieben Euro pro Monat und kann quartalsmäßig gekündigt werden. An dieser Stelle möchte ich gleich ein Missverständnis aus dem Weg räumen: Es ist nicht verdächtig, ein Profil bei XING zu unterhalten. Dies stellt keineswegs einen Hinweis dar, dass der Profilinhaber auf Jobsuche ist. Gleichwohl sollte jeder wissen, dass sein Profil für jeden sichtbar ist (obwohl gewisse Angaben in den persönlichen Einstellungen unsichtbar gemacht werden können), aber dafür erstellt man es ja auch!

Der allgemeine Nutzen, unabhängig von einer etwaigen Beobachtung des Arbeitsmarktes: Sie bleiben mit Ihren Kontakten in Verbindung, egal ob Sie gerade über deren aktuellen E-Mail-Adresse informiert sind. Sie können jeden anschreiben und Ihre Kontakte erhalten persönliche Nachrichten, egal wo sie sich gerade befinden und unabhängig davon, ob sie bei einem neuen Provider sind.

Für die Jobsuche hat XING eine herausragende Bedeutung. Im Bewerbungsprozess schauen potenzielle Arbeitgeber, welche Informationen sie – über die Bewerbungsunterlagen hinaus – im Internet über die Kandidaten finden können. So haben Sie eine exzellente Möglichkeit, auf weitere Kompetenzen, Leistungen und Erfolge hinzuweisen, die in den klassischen Unterlagen keinen Platz finden.

Active Sourcing

Noch spannender ist die Tatsache, dass Sie mit Ihrem Profil in der Masse gefunden werden können. Stichwort „Active Sourcing“. Viele Arbeitgeber (und Headhunter) gehen in Zeiten des Fachkräftemangels selbst auf die Suche nach passenden Kandidaten – und werden fündig bei XING! Das Business-Netzwerk ist nichts anderes als eine Datenbank, in der Interessenten suchen können.

Es stellt sich nun die Frage, wie Sie gefunden werden und welche Eingabefelder wichtig sind. Selbstverständlich sagt Ihre derzeitige Funktion etwas über Ihre Tätigkeit aus. Auch zeigen Ihre Arbeitgeber, in welchen Branchen Sie tätig sind und waren. Hier wird keine Kreativität verlangt. Das sieht schon anders aus, wenn Sie bei „Ich biete“ Ihre Kompetenzen beschreiben. Fangen Sie bei der Fachkompetenz an. Gern auch ausführlich. Vergessen Sie nicht anzugeben, dass Sie mit SAP arbeiten. Führen Sie auch auf, dass Sie US-GAAP oder IFRS beherrschen. Die Zertifikate, die Sie als Qualitätsmanager vorweisen können, sind auch von Bedeutung. Führen Sie ruhig 15 bis 20 „Hard Facts“ auf. Dann können Sie diese Rubrik noch mit Ihren fünf wichtigsten Persönlichkeitsmerkmalen (Soft Skills) abrunden.

XING bietet Ihnen unter „Portfolio“ noch eine exzellente Möglichkeit, Ihre Kompetenzen weiter zu beschreiben. Hier haben Sie gar die Möglichkeit, Videos, PDF-Dateien oder Bilder hochzuladen. Ein Mitschnitt von einer Verkaufsveranstaltung? Ein Kompetenzprofil? Das Portfolio ist dafür der geeignete Ort.

Nun schauen Sie noch, dass Sie einigen Gruppen, die Ihr Fachgebiet repräsentieren, beitreten. Am besten entscheiden Sie sich für die größte Gruppe. Wenn Sie mal an einer Diskussion teilnehmen, werden Sie feststellen, dass sich die Gruppenmitglieder Ihr Profil ansehen. Sie möchten Sie besser kennenlernen – Headhunter inklusive!

Kontakt zu Headhuntern aufnehmen

Dieses Spiel können Sie übrigens auch umdrehen. Gehen Sie auf „Erweiterte Mitgliedersuche“. Klicken Sie bei Branche „Personaldienstleistungen“ an. Nun haben Sie alle Personalvermittler aber auch HR-Mitarbeiter selektiert. Es interessiert Sie nun, wer auf seinem Profil eine Funktion ausgeschrieben hat, auf die Sie sich bewerben möchten. Sie schreiben bei „Ich suche“ (aus Sicht des Personaldienstleisters) z. B. „Controller“. Schon werden alle Headhunter angezeigt, die Controller suchen. Klar, können Sie eine weitere Eingrenzung nach Bundesland oder Stadt vornehmen. Diese Mitglieder können Sie direkt kontaktieren („Nachricht schreiben“) und ihnen gar Ihren Lebenslauf als Anlage mitsenden. Das bekommt natürlich keiner außer dem Angeschriebenen mit.

Ein professionelles Profil

Runden wir das Thema mit einigen Schlussbemerkungen ab:

  • Ein gutes Foto ist immer von Bedeutung – der Sympathiefaktor sollte nicht unterschätzt werden.
  • Sie sind nicht gezwungen, jede Kontaktanfrage anzunehmen. Erkundigen Sie sich im Zweifelsfall zunächst, welche Erwartungen die Person mit der Anfrage verbindet.
  • Weniger ist mehr. Es ist nicht glaubwürdig, dass jemand in der Lage ist, ein Netzwerk mit mehr als tausend Kontakten zu pflegen. 300 bis 500 Kontakte sind eine gute Richtlinie.
  • Wenn Sie ganz frisch Ihr Profil erstellt haben, können Sie Ihre Kontakte in den persönlichen Einstellungen „verbergen“. So sieht keiner, dass Sie erst 16 Kontakte haben.
  • Wer gerade dabei ist, sein Profil „aufzuhübschen“ und für Headhunter attraktiver zu gestalten, kann die Funktion, dass sein Netzwerk über jede Änderung informiert wird, bei den persönlichen Einstellungen vorübergehend deaktivieren

Die Chance ist groß, dass Personalvermittler mit Ihnen in Verbindung treten, wenn Sie ein professionelles XING-Profil pflegen. Darüber hinaus können Sie den Prozess „anschieben“, indem Sie direkt Kontakt mit Headhuntern aufnehmen, die ein Profil wie Ihres unter „Ich suche“ ausgeschrieben haben.

Tipp im Netz: Auf dem Karriere-Blog  www.lvq.de finden Sie eine wirklich herausragende und ausführliche Anleitung, wie Sie XING für Ihre nächste Jobsuche nutzen können:  XING für Jobsuchende – Serie


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Über den Autor

 Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven, Experte in Sachen Bewerbung, gibt Einsteigern, erfahrenen Arbeitnehmern und Quereinsteigern Tipps zum richtigen Verhalten im Bewerbungsgespräch, zum verdeckten Arbeitsmarkt und vielen weiteren spannenden Fragen rund um Bewerbung und Karriere. Als SZ-Jobcoach schreibt er regelmäßig für die Süddeutsche Zeitung.

Jeden Monat zeigt er innovative und teils kuriose Ansichten und Herangehensweisen an Probleme, die garantiert jeder Bewerber in seinem Leben einmal erlebt hat – vom Bewerbungsprozess bis hin zum heiß ersehnten Gespräch, vom Berufseinstieg bis zum beruflichen Neuanfang.

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven blickt auf eine internationale Karriere als Geschäftsführer mehrerer mittelständischer Unternehmen und Konzerne (u.a. Yves Rocher und Gillette) zurück. Der Karriere-Coach hält als Gastdozent am MCI Management Center Innsbruck Vorträge zum Thema Job-Hunting, verfasst Beiträge für das Magazin FOCUS und ist Kolumnist bei der Süddeutschen Zeitung.