27. Mai 2022 | 5 Fragen an ...

5 Fragen zur Personalführung – Interview mit Monika Kraus-Wildegger

Personalführung ist eine der entscheidendsten Aufgaben von Führungskräften und spielt gerade in Zeiten des Fachkräftemangels eine wesentliche Rolle für die Attraktivität eines Unternehmens als Arbeitgeber – sowohl, um neue Mitarbeitende zu gewinnen als auch um Leistungsträger an die Organisation zu binden.

Führungskräfte übernehmen nicht nur die Verantwortung für den rein finanziellen Erfolg des Unternehmens, indem sie neue Projekte akquirieren und neue Strategien entwickeln, um die Organisation in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Sondern sie tragen die Verantwortung für alle Beteiligten, die zur Umsetzung der Ziele beitragen – und stehen täglich vor neuen menschlichen und sozialen Herausforderungen.

Video-Interview zur Personalführung

Im Rahmen unserer Kampagne  Monat der Mitarbeitenden haben wir unsere Autorinnen und Autoren, die selbst Führungserfahrung haben, Führungskräfte coachen oder sich mit dem Thema Führung beschäftigen, befragt.

 Monika Kraus-Wildegger ist Vordenkerin, Autorin und Speakerin für Human Work und Neue Arbeitswelt. 2012 gründete sie ihre Firma GOODplace (www.goodplace.org), die Unternehmen und Personen befähigt, Feelgood-Kultur zu gestalten. GOODplace setzt auf die drei Empowerment-Säulen Qualifizierung, Beratung und kollektiver Wissensaustausch. Gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut entwickelte sie den Qualitätsstandard für das Berufsprofil Feelgood Manager und etablierte die führende Fachausbildung für Feelgood Manager im deutschsprachigen Raum. Ihr Motto: #FeelgoodMakesWorkaGOODplace

Als erfolgreicher Führungskraft haben wir ihr 5 Fragen zum Thema Personalführung in einem Interview gestellt:

5 Fragen an  Monika Kraus-Wildegger, Autorin von  Feelgood Management

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1. Top 3 Werte für Personalführung

Liebe  Frau Kraus-Wildegger, welche drei Kernwerte sollten Führungskräfte vorleben?

Führungskräfte sollten aus meiner Perspektive – aus der Leadership Perspektive – die Kernwerte positives Menschenbild, Offenheit und Respekt vorleben. Gerade in Hinblick auf die agile Arbeitswelt, in Richtung Selbstorganisation, sind ein positives Menschenbild und die Offenheit gegenüber der vertrauensvollen Zusammenarbeit wichtige Elemente, die eine Selbstorganisation fördern und ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten ermöglichen. Respekt ist dabei natürlich wichtig im Sinne des Menschenbildes. Das heißt, der Mensch macht aus sich heraus das Beste, das er kann, und wenn einmal etwas nicht so funktioniert, dann braucht er Unterstützung, damit er entsprechend aus dem Learning es beim nächsten Mal besser machen kann. Das bedeutet, hier haben wir diesen positiven Blick auf den Menschen und das lässt uns nach vorne blicken und nicht abdriften in das Mikromanagement oder in eine Kontrollsituation, die wir etwa aus der bisherigen Arbeitswelt kennen. Also ein positives Menschenbild, Offenheit und ein respektvoller Umgang sind aus der Leadership-Sichtweise wichtige Kernwerte.


2. Fluktuation und Mitarbeiterbindung

Was tun Sie, um Mitarbeitende zu binden und welche Maßnahmen halten Sie für zielführend?

Ich arbeite mit Partnern und Wegbegleitern und wir haben eine gemeinsame Vision und zwar die einer menschlichen Arbeitswelt. Die verbindet uns. Und unsere Zusammenarbeit ist auch geprägt von einem partnerschaftlichen Umgang – respektvoll, vertrauensvoll – und natürlich auch Spaß an der Arbeit. Weil Arbeitszeit auch Lebenszeit ist. Und das ist uns wichtig, dass wir auch Humor und den Spaß dabei haben dürfen.


3.Feedback und Kritikfähigkeit

Wie offen sind Sie für Feedback?

Vorab möchte ich sagen: für mich ist Feedback ein Geschenk! Das bedeutet, Feedback kann eine Anerkennung sein oder eine konstruktive Rückmeldung. Und für den Empfänger bedeutet es: er profitiert davon. Also ich profitiere von jedem Feedback, das in dieser Form mir gegeben wird. Am besten werde vielleicht vorher auch noch gefragt, ob ich Feedback haben möchte. Und daraus resultiert, dass jeder, in diesem Bewusstsein, dass Feedback ein Geschenk ist, achtsam damit umgeht und der oder die Empfängerin es auch als wertschätzend betrachtet. Denn wir profitieren immer davon. Und wir kommen jetzt hier auf den Wert, diesen Kernwert der Offenheit zurück, der für Leader bzw. Leadership aus meiner Sicht sehr wichtig ist. Habe ich die Offenheit dazu, Feedback als Geschenk zu betrachten – vom Geber als auch vom Sender aus – dann ist es ein wertvoller, positiver Beitrag, der beide Seiten profitieren lässt.


4. Talente gewinnen

Was tun Sie, um neue Talente zu gewinnen?

Mit meiner Vision einer Mensch zentrierten Arbeitskultur bei  goodplace und mit meinen Partnern, die genau mit dieser Kultur oder in dieser Kultur mit mir zusammenarbeiten, bin ich regelrecht ein Magnet für Talente. Und das freut mich ich. Ich bin ein Magnet für Talente für werte- und sinnorientierte Talente. Genau die passen zu uns, zu  goodplace und so kommen Partner und Wegbegleiter zusammen, die ein und dasselbe Mindset teilen und es gründet alles in unserem Werteverständnis, in unserer mensch-zentrierten Arbeitskultur und darauf bin ich stolz.


5. Top 3 Führungsfehler

Der Fisch stinkt vom Kopf: Was sind die größten Blindspots bei Führungskräften?

Aus meiner Perspektive als Leader eines Unternehmens nehme ich wahr, dass bei anderen Führungskräften, jungen und erfahrenen Leadern, eines durchgängig als Blindspot benannt werden kann. Und nicht nur eines, sondern ich habe drei Blindspots identifiziert.

Der erste Blindspot, also der „blinde Fleck“, ist, dass emotionale Intelligenz in ihrem Team, also bei den Mitarbeitenden, nicht wahrgenommen wird. Das ist ein Potenzial, das direkt im Team da ist, aber oft von Führungskräften einfach nicht gesehen wird.
Ein weiterer Blindspot ist das „Nahbar sein“. Das bedeutet, als Führungskraft nahbar, ansprechbar, ja auch als Mensch nahbar zu sein, mit den Kollegen, mit den Mitarbeitern, mit den Teams sich ein Stück weit auch empathisch als Mensch zu präsentieren. Und nicht nur als Führungskraft mit einer gewissen Distanz. Das ist ein Blindspot, den ich so wahrgenommen habe. Es verwässert sich. Und genau das würde das Zusammenarbeiten menschlicher machen.
Ein weiterer Blindspot – und das ist ein Klassiker – ist das Zuhören bei Führungskräften, das aktive Zuhören, Aufnehmen, Wahrnehmen, was Menschen im Team im Kollegenkreis bewegt. Mit der fachlichen Perspektive aber auch mit der menschlichen Perspektive.

Aus diesen drei Blindspots, also die menschliche, emotionale Intelligenz bei einzelnen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen nicht zu sehen, das ist gefährlich, weil Kultur wird eben über emotionale Intelligenz mehr erreicht, kann mehr umgesetzt werden. Und das sind Menschen, die sehr, sehr wertvoll für das Unternehmen sind. Die sind auch sehr nah an Kollegen und Kolleginnen und bislang wird das nicht gesehen bzw. nicht wertgeschätzt als Potenzial.

Ein kleiner Tipp

Wenn man jetzt so die mensch-zentrierte Kultur uns ansehen, wo es eben um ein gutes Miteinander, um Wertschätzung, um Feedback, um die Führungskernwerte geht, dann sind solche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen natürlich mega-wertvoll für Führungskräfte. Sie sind sozusagen der verlängerte Arm, auch hinein in die Belegschaft. Das Zuhören ist auch wichtig. Da bekommt man viel mit und weiß auch relativ zügig, was bewegt Menschen, was sind ihre Themen und das „Nahbar sein“, das baut Barrieren ab, Distanz ab und das lässt uns alle menschlicher sein. Wir vergeben uns dabei nichts, wir gewinnen eher etwas. In meinem Buch  Feelgood Management, das beim metropolitan Verlag erschienen ist (in der zweiten Auflage 2021) sind für Führungskräfte Tipps zu finden, wie sie ihre Wahrnehmungsstärken ausbauen können. Ein kleiner Tipp: Wer Interesse hat, kann sich mal hier das Buch schnappen und so seine ersten Tipps aufnehmen.


Cover Kraus-Wildegger Feelgood Management metropolitanFeelgood Management

Mit Wertschätzung und Menschlichkeit in die Arbeitswelt von morgen
ISBN 978-3-96186-056-2

 Zum Buch

Mehr über die Autorin auch auf ihrer Website  www.goodplace.org