12. Dezember 2018 | 5 Fragen an ...

Trau dich und bring deine Idee zum Leuchten

Die erfahrene Gründungs- und Unternehmensberaterin Astrid Hochbahn begleitet seit vielen Jahren kreative Köpfe bei der Verwirklichung ihres Traums von der Selbstständigkeit oder dem eigenen Unternehmen. Doch der Weg vom ersten Funken bis zum letztlichem Leuchten ist lang und steinig. Mit ihrem neuen Buch „Bring deine Idee zum Leuchten“ hilft sie all denjenigen, die den Mut aufbringen möchten, den ersten Schritt zu tun.

Liebe Frau Hochbahn, Sie beraten täglich Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen, sich selbstständig zu machen. Was sind denn die Hauptgründe für diesen Beschluss?

Es gibt deutliche Wellen beim Gründungsgeschehen. Wenn die Arbeitslosigkeit hoch ist und Menschen Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden, denken viele über eine Gründung nach. Doch auch im Augenblick, wo die Beschäftigungslage gut ist, reizt es viele Menschen, sich eventuell selbstständig zu machen. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich: Viele haben Ideen und Träume, die sie gerne verwirklichen möchten oder brennen für Inhalte, die sie umsetzen möchten. Andere reiben sich an Strukturen, die ihnen zu wenig Freiheit lassen. Sie fühlen sich eingeengt durch einen starren 40-Stunden-Tag, durch Chefs, die sie gängeln, durch enge Vorgaben oder uninteressante Arbeitsinhalte. Wenn sie zunehmend das Gefühl haben, nicht mehr gerne zur Arbeit zu gehen, fangen sie an über Veränderungen nachzudenken. Und wenn der Blick in den Stellenmarkt keine Lösung bietet, liegt es nahe, selbst etwas auf die Beine zu stellen.

Mehr Geld zu verdienen, ist eher ein Nebenaspekt. Die meisten Menschen wollen etwas tun, was sie erfüllt und was für sie Sinn macht.


Für den Schritt in die Selbstständigkeit braucht es schon eine gewisse Portion Mut. Wie helfen Sie potenziellen Gründern, den entscheidenden Schritt zu wagen?

Oft geht es darum, vor dem entscheidenden großen Schritt andere kleine zu machen, die Mut machen. Sich selbstständig zu machen ist ein Prozess. Es ist wichtig, die eigenen Ängste zuzulassen und anzuschauen. Die Gefahr, die man kennt, ist oft erheblich weniger bedrohlich, als das Rascheln im Gebüsch, das man nicht einordnen kann. Für Ängste, die man sich anschaut, lassen sich oft ganz pragmatische Lösungen finden. Es geht darum, sich mit der eigenen Selbstständigkeit zu beschäftigen und immer genauer herauszufinden, was man wie machen möchte. Sich in Gedanken zu bewegen, ist ja noch weitgehend ungefährlich. Irgendwann ist der letzte Schritt, es wirklich zu tun, dann gar nicht mehr so groß.

Je konkreter die Dinge werden, desto deutlicher lässt sich auch das Risiko eingrenzen. Und jeder hat die Wahl, welche Selbstständigkeit er oder sie sich kreiert. Das heißt es ist ein Prozess, der eigenen Selbstständigkeit entgegen zu wachsen – und sie andererseits so zu formen, das sie passt und nicht zu groß ist. Vom Start aus kann man ja immer noch weiterwachsen.


Wann ist der richtige Zeitpunkt, eine Idee tatsächlich Wirklichkeit werden zu lassen? Gibt es den überhaupt?

Ich glaube, das ist für jeden anders, was er oder sie braucht, um sich zu trauen. Manchmal haben es die leichter, die weniger zu verlieren haben. Wer eh mit dem Rücken an der Wand steht, hat durch neue Schritte viel zu gewinnen. Wer satt und saturiert, aber unglücklich in einem gut bezahlten Job steckt, hat viel mehr zu verlieren. Ich glaube, der richtige Zeitpunkt, um sich mit Alternativen zu beschäftigen, ist dann gekommen, wenn man merkt, dass man nicht gerne zur Arbeit geht. Ich finde, unser Leben ist zu kostbar, um bis zu 40 Stunden in der Woche mit etwas zu verbringen, was wir nicht tun wollen. In der Regel gibt es etwas, was wir tun können, um unser Leben zu verändern – auch wenn man denkt, man stecke fest.

Wer sich mit seiner Idee beschäftigt und sie so konkret werden lässt, der weiß irgendwann, wie er die Dinge angehen will. Es geht darum, die eigene Branche kennenzulernen, den Markt, die KundInnen, Dinge auszuprobieren – alles, was man tun kann, ohne den großen Sprung zu wagen. Und irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, da lässt sich das eigene Leben nicht mehr in der Schwebe halten. Bei den einen kribbelt es dann und sie wollen einfach loslegen. Bei den anderen entsteht Druck von außen – vielleicht merkt der Chef, dass man nicht mehr mit dem Herzen bei der Sache ist usw.


Und gibt es auch einen entscheidenden Punkt, an dem Sie zwingend von einer Gründung abraten?

Mein Credo ist, dass sich alles lernen lässt und ich würde nie jemandem sagen, du bist auf keinen Fall geeignet, lass die Finger generell vom Thema Selbstständigkeit. Aber ich würde sagen, du musst unbedingt dies und jenes klären, manches noch lernen und produktive Haltungen finden, sonst bin ich sehr skeptisch, ob du erfolgreich sein wirst. Zum Bespiel, wenn jemand keine Ahnung von der Branche und dem Feld hat, in das er sich begibt oder wenn jemand klipp und klar sagt, ich bin nicht bereit, mich mit Zahlen, Buchhaltung, Steuern etc. zu beschäftigen. Man muss das nicht alles alleine können, aber wenigstens bereit sind, sich darum zu kümmern. Ich weise Menschen auch darauf hin, wenn ihre Gedanken noch zu unausgegoren sind, um sie zu realisieren – daran wachsen Ideen, ist meine Erfahrung. Wenn man aufspürt, was noch nicht stimmig ist, hat die Idee viel größere Chancen auf Erfolg.


Wenn es letztlich doch schief geht? Wenn meine Idee nicht leuchtet?

Dann geht es darum, sie zu polieren, an ihr zu arbeiten. Oft funktionieren die Dinge nicht auf Anhieb. Es geht darum, KundInnen und Märkte besser zu verstehen und herauszufinden, warum der Funke noch nicht überspringt. Dass die Idee am Anfang nicht leuchtet, ist eher der Normalfall als die Ausnahme. Dann kann man aufhören und aufgeben oder die Ärmel hochkrempeln und erst recht weitermachen und schauen, was man verändern kann.

Und genauso legitim ist es zu sagen, ich habe es wenigstens versucht, aber hier geht es gerade nicht weiter. Ich suche mir jetzt einen Job, ich versuche es mit einer anderen Idee irgendwann neu … Ich erlebe es, dass Menschen sich positiv verändern, wenn sie sich mit dem Thema Selbstständigkeit beschäftigen – auch wenn sie ihr Projekt wieder aufgeben. Durch die Selbstständigkeit erleben sie sich in einer Gestalterperspektive und finden heraus, wer sie sind und was sie in der Welt bewegen wollen. Das kommt ihnen auch in einem Job zugute.


Bring deine Idee zum Leuchten
Die KREATIV-Methode zur erfolgreichen Realisierung von Projekten – für Beruf, Gründung und Unternehmensentwicklung
ISBN 978-3-96186-018-0

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