1. Juli 2019 | Jobsuche

Wie die Wahrnehmung des Arbeitsmarkts unsere Bewerbungsaktivitäten beeinflusst

In Deutschland mögen wir Sicherheit! Lieber werden Tatsachen zu düster dargestellt, als dass wir uns nachher für zu viel Optimismus entschuldigen sollten. Schwärmerei ist ohnehin verpönt. Diese Beobachtung ist natürlich mit der Tatsache verbunden, dass sich „schlechte Nachrichten“ besser vermarkten lassen als eine positive Berichterstattung. Wenn ich die Kommentare zum Bericht eines  50-Jährigen lese, der sich für den Arbeitsmarkt zu alt fühlt, stelle ich viel Beifall fest. Jeder der eine ähnliche Erfahrung gemacht hat, freut sich über das geteilte Leid. Sehr leicht werden Schuldige gesucht, die den „Älteren“ keine Chance geben. Wer allerdings Positives schreibt, „eckt an“ und offensichtlich fühlen sich diejenige, die andere Erlebnisse gemacht haben, provoziert, angegriffen oder beschuldigt, da sie nicht über einen derart positiven Ausgang einer herausfordernden Situation erzählen konnten. Diese Reaktionen haben einen verstärkenden Charakter und wer sich einmal eine blutige Nase geholt hat, verhält sich das nächste Mal – gerade schriftlich – zurückhaltender.

Warum geht es Deutschland vergleichsweise gut trotz kritischer Berichterstattung?

Medienberichten zufolge war Deutschland in Not. Zwei Quartale hintereinander hat sich die Konjunktur abgeflaut. Nun drohte eine Rezession. Darüber wurde ausführlich berichtet. Es kam jedoch… anders! Im ersten Quartal 2019 erwirtschaftete die Bundesrepublik ein Plus – und somit war das Angstgespenst „Rezession“ verschwunden. Dennoch wurde weiterhin von Auftragsrückgängen gesprochen. Aber so richtig passte das Horrorszenario nicht. Plötzlich heißt es im Juni 2019, dass die Umsätze im Handwerk im ersten Quartal um 6,4 Prozent gestiegen sind! Diese Nachricht findet sich aber irgendwo auf den linken Seite im Innenteil der Wirtschaftsnachrichten in den überregionalen Zeitungen. Gegen diese Vorgehensweise ist nichts einzuwenden, oder doch? Offensichtlich geht es Deutschland besser als kolportiert wird. Jeder Mittelständler wird bestätigen, dass die Suche nach qualifiziertem Personal in den vergangenen Jahren ungemein schwieriger geworden ist. Bei jeder Untersuchung ist das das Top-Thema, das Klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) beschäftigt und macht auch vor den Konzerntüren nicht Halt.

Die Gefahr der Entmutigung

Persönlich sehe ich eine einseitige bzw. eine auf schwierige Ereignisse fokussierte Berichterstattung als kritisch an. Warum? Der Bewerber, der sein Leben gestalten möchte, wird Rückschläge (die normal sind) nun im Lichte der Medienpräsenz interpretieren. Im Extremfall wird er die Flinte ins Korn werfen und sich seinem – anscheinend unabwendbaren – Schicksal ergeben. Wer liest, dass Schulabgänger kein festes Angestelltenverhältnis erhalten, dass durch die Digitalisierung Arbeitsplätze verlorengehen und dass Ü50-Jährige sowieso keine Chance mehr haben, eingestellt zu werden, wird seine individuellen Erlebnisse entsprechend interpretieren. Erfolgsgeschichten haben, wie erwähnt, keine Chance weil jeder, der diesen Erfolg nicht teilt, sich fragen müsste, was er oder sie „falsch“ macht.

Die Position der Arbeitnehmer wird gestärkt

Wozu ermutige ich? Deutschland zählt im Augenblick 45 Millionen Erwerbstätige. Eine realistische Schätzung spricht davon, dass 2 Millionen Stellen offen sind. Die geburtsstarken Jahrgänge gehen in Rente und für zwei Babyboomer, die sich aus dem Arbeitsleben verabschieden, rückt ein Vertreter der „Generation Z“ nach. Relativ gesehen wird es für die verbleibenden Arbeitnehmer immer einfacher, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Dabei ist bereits berücksichtigt, dass Arbeitsplätze wegfallen – während gleichzeitig neue entstehen.

Die zwei Erfolgsfaktoren für die Bewerbung

Es ist schon fast Pflicht, sich als Bewerber ein wenig abzuschotten, kritische Berichterstattung an sich „abperlen“ zu lassen und Ruhe und Zuversicht zu bewahren. Erfolg ist von zwei Aspekten abhängig: Die Qualität der Selbstdarstellung (Kompetenzen und Erfolge sollten sichtbar werden) sowie die Anzahl der Kontaktaufnahmen. Wer diese beiden Steuerungselemente vor Augen hat und sich nicht beirren lässt, wird – mit ganz wenigen Ausnahmen, die gern Kontakt zu mir aufnehmen dürfen – das Ziel erreichen.

Haben Sie Fragen? Setzen Sie sich gern mit dem Autor Vincent Zeylmans unter info(at)zeylmans.de in Verbindung.


gemalter Kreidepfeil mit Inschrift Tipps + TricksWeitere Beiträge zum Thema Bewerbung

 So geht Bewerben: Tipps vom Karriere-Coach

Der Experte in Sachen Bewerbung Vincent G. A. Zeylmans van Emmichoven gibt Einsteigern, erfahrenen Arbeitnehmern und Quereinsteigern Tipps zum richtigen Verhalten im Bewerbungsgespräch, zum verdeckten Arbeitsmarkt und vielen weiteren spannenden Fragen rund um Bewerbung und Karriere.


Über den Autor

 Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven, Experte in Sachen Bewerbung, gibt Einsteigern, erfahrenen Arbeitnehmern und Quereinsteigern Tipps zum richtigen Verhalten im Bewerbungsgespräch, zum verdeckten Arbeitsmarkt und vielen weiteren spannenden Fragen rund um Bewerbung und Karriere. Als SZ-Jobcoach schreibt er regelmäßig für die Süddeutsche Zeitung.

Jeden Monat zeigt er innovative und teils kuriose Ansichten und Herangehensweisen an Probleme, die garantiert jeder Bewerber in seinem Leben einmal erlebt hat – vom Bewerbungsprozess bis hin zum heiß ersehnten Gespräch, vom Berufseinstieg bis zum beruflichen Neuanfang.

Vincent G.A. Zeylmans van Emmichoven blickt auf eine internationale Karriere als Geschäftsführer mehrerer mittelständischer Unternehmen und Konzerne (u.a. Yves Rocher und Gillette) zurück. Der Karriere-Coach hält als Gastdozent am MCI Management Center Innsbruck Vorträge zum Thema Job-Hunting, verfasst Beiträge für das Magazin FOCUS und ist Kolumnist bei der Süddeutschen Zeitung.